Völkerfreundschaft e.V.
Vereinsnachrichten

#WeRemember – Wir erinnern – an das Foto des Jungen aus dem Warschauer Ghetto

Als Foto des Jungen aus dem Warschauer Ghetto wird eine schwarz-weiß Fotoaufnahme bezeichnet, die zu den bekanntesten fotografischen Darstellungen des Holocaust zählt, welches wahrscheinlich im April bis Mai 1943 während des Aufstands im Warschauer Ghetto entstand.

Das Foto weist eine beachtliche Rezeptionsgeschichte auf. Schon im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess erwähnt, entwickelte es sich ab den 1960er Jahren zu einer der am häufigsten verwendeten Foto-Darstellungen der nationalsozialistischen Verbrechen gegen die europäischen Juden. Neben der Verwendung in Geschichtsbüchern und Dokumentationsmaterial wurde es in der Bildenden Kunst, der Literatur und Filmen aufgegriffen.

Die Bildunterschrift „Mit Gewalt aus Bunkern hervorgeholt“ wurde per Hand direkt auf den Karton unterhalb des Bildes geschrieben.

In verschiedenen Analysen werden Gründe für diese Ikonisierung beschrieben. Eine wichtige Eigenschaft des Fotos, die zu seiner Verbreitung beitrug, ist die körperliche Unversehrtheit der dargestellten Personen. Damit unterscheide es sich von vielen anderen Bildern, die tote, abgemagerte oder auf andere Weise leidende Menschen zeigen. Es werden aber auch Gründe für die starke Verbreitung des Fotos angeführt. So befindet sich der Kopf des Jungen etwa an der Stelle, an der sich die horizontale und vertikale Linie des Goldenen Schnitts treffen.

Laut der polnischen Forscherin Magdalena Kunicka-Wyrzykowska wurden die Fotos von Mitgliedern der Sicherheitspolizei und dem SS-Obersturmführer Franz Konrad gemacht, der damals für die sogenannte „Werteerfassung“, also die Konfiszierung jüdischen Vermögens, zuständig war.

Unter den Gefangenen sticht vor allem der kleine Junge im Vordergrund heraus. Er steht etwas abseits der restlichen Personen, die halbkreisförmig um ihn herumstehen. Er trägt einen Mantel und eine kurze Hose sowie Kniestrümpfe und feste Schuhe. Anders als bei den anderen abgebildeten Personen sind seine nackten Knie zu sehen.

Er blickt in Richtung des Fotografen, schaut diesen allerdings nicht direkt an. In seinem Gesicht sind deutlich Angst, Hilflosigkeit und Traurigkeit zu erkennen, während die Gesichter der anderen Gefangenen Anspannung und Abwehr zeigen.

Nur das Mädchen vorn links blickt direkt auf den Fotografen, die Blicke der anderen Gefangenen gehen in unterschiedliche Richtungen. So blickt der etwas größere Junge nach links auf etwas außerhalb des Fotos, die Frau im Vordergrund wirft ihren Blick zurück, ob auf den deutschen Soldaten.

Die Identität des Jungen im Vordergrund ist nicht genau geklärt. Da die meisten Kinder aus dem Ghetto bereits deportiert worden waren, so nehmen Historiker an, dass es sich um das Kind eines Mitarbeiters der jüdischen Ghettoverwaltung handelt, da erreicht werden konnte, es vor dem Abtransport zu bewahren.

Die einzige Person auf dem Bild, die zweifelsfrei identifiziert wurde, ist der Soldat rechts im Bild mit der Maschinenpistole. Es handelt sich um den SS-Rottenführer Josef Blösche. Während seiner Stationierung im Warschauer Ghetto zeichnete er sich durch grausame Brutalität aus. So berichteten mehrere Überlebende von wahllosen Erschießungen, die er auf seinen Touren durchs Ghetto durchführte.

Nach dem Ende des Krieges ließ sich Blösche in Thüringen nieder, wo er als Bergmann tätig war. Im Zuge der Ermittlungen während des Krieges erließ 1965 die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Blösche. Dies brachte die Behörden der DDuf seine Spur und führte im Januar 1967 zu seiner Verhaftung. 1969 wurde er vom Erfurter Bezirksgericht wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und im Juli in Leipzig hingerichtet.

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.