Völkerfreundschaft e.V.
Feierlichkeiten

Ikonen-Zeremonie des Heiligen Alexander Schmorell

Bericht zur Ikonenweihung, des Gottesdienstes und der Feierlichkeiten anlässlich des Jahrestages der Namensgebung „Heiligen Alexander Schmorell von München“ im Russisch-Orthodoxen Kloster St. Georg in Götschendorf und der Ausstellungseröffnung „Die Weiße Rose – ihr Geist lebt weiter!“

Werte Geistliche, Gäste, Ehrenmitglieder und Freunde,

Am Samstag, den 10. Oktober 2020 empfing uns recht herzlich der Abt und Prior Vater Daniil IRBITS des Russisch-Orthodoxen Klosters St. Georg anlässlich des Feiertages der Ikonenweihung und des Gottesdiensts in Götschendorf.

Nach der Ankunft im Kloster Götschendorf sind wir zur Eröffnung einer Sonderausstellung zur Widerstandsgruppe der Weiße Rose, welches die Mönche des Klosters und weitere Künstler ausgestalteten, sensationell überrascht worden.

Die Sonderausstellung dokumentierte das Leben und Wirken des Heiligen Alexander Schmorell und seiner Gefährten der Weiße Rose. Neben der Klosterkirche steht ein Hauptgebäude, welches derzeit noch restauriert wird und in deren Räumlichkeiten die Sonderausstellung zum Leben und Wirken des Neumärtyrers und seiner Gefährten ausgestaltet und aufgebaut wurde. In einer hellen Ecke des Ausstellungsraumes ist ein alter Koffer mit fliegenden Flugblättern zu erkennen, in deren Mitte eine weiße Rose zu schweben scheint.

Die Flugblätter symbolisieren die Schriften der Widerstandsgruppe, welches sie damals 1942 schrieben, im Geheimen druckten und gemeinsam in der deutschen und österreichischen Öffentlichkeit verbreiteten. Ihr Ziel war es vor der Gefahr des Nationalsozialismus und der faschistischen Diktatur mit Worten wie „Nieder mit Hitler“ und mit Fakten vor dem furchtbaren Weltkrieg zu warnen.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche in München hat „Alexander Schmorell“ im Februar 2012 wegen seines Wirkens gegen die Nazidiktatur und seinem starken christlichen Glauben heiliggesprochen.

Im Jahr 2018 beauftragten wir in Griechenland in einem Griechisch-Orthodoxen Nonnen-Kloster namens Nikiton die Malerei und Ordensschwester Filareti eine besondere Ikone des Heiligen Alexander Schmorell anzufertigen. Diese Ikone hat sie im Oktober 2019 fertiggemalt. Wir kauften diese Ikone und nahmen sie mit zu dieser besonderen Zeremonie im Russisch-Orthodoxen Kloster St. Georg nach Götschendorf.

Diese Ikone des „Heiligen Alexander Schmorell“ ist am Vormittag des 10. Oktober von unserem Vorsitzenden Michael Bock an den Prior und Vater Daniil feierlich übergeben worden und im anschließenden Gottesdienst in der Klosterkirche durch mehrere Priester und Mitglieder eingeweiht worden.

Die Ikone des Neumärtyrers und die Wahl des Namens „die Weiße Rose“ symbolisieren offenbar die Reinheit und Unschuld im Angesicht des Bösen.  Einer, dieser mutigen Verfasser der Flugblätter der Weißen Rose ist der deutsch-russische Medizinstudent Alexander Schmorell gewesen. Er und seine Kommilitonen wurden durch christliche, liberale Elternhäuser und durch die Jugendbewegungen der Weimarer Republik geprägt. Im Dezember 1942 suchte Alexander mit Hans Scholl den Kontakt zu Kurt Huber zu knüpfen. Gemeinsam verfassten sie im Januar 1943 das fünfte Flugblatt „Aufruf an alle Deutschen!“, das sie dann gemeinsam an die Bevölkerung in der Öffentlichkeit und in den Städten verteilten.

„Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.“ (Zitiert nach: Die Weiße Rose. Frankfurt, 1982, S.96–121)

Als sie die letzten Exemplare dieses Flugblattes im Lichthof der Münchner Universität im Winter 1943 auslegten, wurden die Mitglieder der Weißen Rose entdeckt und der Gestapo ausgeliefert. Alexander konnte erst noch fliehen, wurde aber einige Tage später am Tag der Beerdigung seiner Freunde, in einem Bunker, in welchem er Unterschlupf suchte, denunziert. Es gelang ihm keine Flucht und er wurde durch die Gestapo verhaftet.

Die nationalsozialistische Diktatur unter Hitler und dem faschistischen Richter Freisler kannten kein Erbarmen und ließen die Verfasser und viele Widerstandskämpfer der Weißen Rose zum Tode verurteilen.

Auf die Frage des Richters, ob sie ihr Verhalten bedauerten, antworteten sie gefasst:

„Ich würde alles genau noch einmal so machen, denn nicht ich, sondern Sie haben die falsche Weltanschauung… Es lebe die Freiheit!“

Vor seiner Hinrichtung am 13. Juli 1943 schrieb Alexander Schmorell an seine Eltern folgende Abschiedsworte:

Meine lieben – Vater und Mutter!

Nun hat es doch nicht anders sein sollen, und nun soll ich heute mein irdisches Leben abschließen, um in ein anderes einzugehen, das niemals enden wird und in dem wir uns alle wieder treffen werden.

Dies Wiedersehen sei euer Trost und eure Hoffnung. Für euch ist dieser Schlag leider schwerer als für mich, denn ich gehe hinüber in dem Bewusstsein, meiner tiefen Überzeugung und der Wahrheit gedient zu haben. Dies alles lässt mich mit ruhigem Gewissen der nahen Todesstunde entgegensehen. Denkt an die Millionen jungen Menschen, die draußen im Widerstand ihr Leben lassen, ihr Los ist auch das Meinige. In wenigen Stunden werde ich im besseren Leben sein, bei meiner geliebten Mutter und meinen Freunden, und ich werde Euch nicht vergessen, werde bei Gott um Trost und Ruhe für Euch bitten. Eins vor allem lege ich Euch ans Herz: Vergesst Gott nicht!

„Euer Schurik“

„Denn ich bin jetzt überzeugt“, sagte Alexander Schmorell dem bestürzten Anwalt, „dass mein Leben, so früh es auch erscheinen mag, in dieser Stunde beendet sein muss, da ich durch meine Tat meine Lebensaufgabe erfüllt habe. Ich wüsste nicht, was ich noch auf dieser Welt zu tun hätte, auch wenn man mich jetzt entlassen würde.“

Am 13. Juli 1943 im Alter von nur 25 Jahren wurde er zusammen mit dem Musikprofessor Dr. Kurt Huber im Gefängnis in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet und auf dem Friedhof Perlacher Forst beigesetzt.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat Alexander Schmorell für sein Wirken und starken christlichen Glauben zum Neumärtyrer „Alexander von München“ heiliggesprochen.

Als wir einige Tage später nach dieser Ikonenzeremonie wieder nach Griechenland zur Malerin und Ordensschwester Filareti ins Kloster Nikiton reisten, war sie von der Zeremonie im weitentfernten Deutschland überwältigt. Sie hat ebenfalls aus tiefstem Herzen mit uns gebetet und wir haben ihr herzlich gedankt.

Über diese Ikoneneinweihung, die Spende der Ikone sowie die Ausstellung zur Widerstandsgruppe „Die Weißen Rose“ sowie über das Leben und Wirken des Heiligen Alexander Schmorell berichteten einige regionale und russische Zeitungen und Medienanstalten.

In der russischen Geburtsstadt von Alexander Schmorell in Orenburg ist erst in diesen Tagen ebenfalls ein Denkmal und ein Museum über „Die Weiße Rose“ und des Heiligen Alexander Schmorell eröffnet worden. Vergesst Gott nicht!

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