Völkerfreundschaft e.V.
Historisches

Gedächtnis an „Alexander von München“ – Eine Denkschrift zum 100. Geburtstag von Alexander Schmorell

 

Über das Leben, das Werk und die Ermordung des Widerstandskämpfers und Neumärtyrers der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“

Am 4. Februar 2012 wurde Alexander Schmorell von der Russisch-Orthodoxen Kirche als Neumärtyrer heiliggesprochen worden.

„Ihr Geist lebt weiter!“

Die Weiße Rose

Eine der bekanntesten Widerstandsgruppen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges war die „Weiße Rose“, deren Kern eine Gruppe Münchner Studenten und ein Professor bildeten. Dieser nicht organisierte Freundeskreis umfasste die Studenten Alexander Schmorell, Hans Scholl und seine Schwester Sophie Scholl, Christoph Probst, Willi Graf und den Professor Kurt Huber. Zusammen schrieben sie zahlreiche Flugblätter und malten auch Parolen wie „Nieder mit Hitler und Freiheit“ an die Häuserwände in München.

Das Zeichen der Widerstandsgruppe „Die Weißen Rose“

Die Wahl des Namens „Weiße Rose“ sollte offenbar die Reinheit und Unschuld im Angesicht des Bösen ausdrücken. Der Name ist eher ein poetisches und künstlerisches Symbol. Bei den Gestapoverhören sagte Hans Scholl später aus, dass der Name aus einem spanischen Roman über die Ausbeutung der Bauern von Mexiko des deutschen Autors B. Traven stammt und den Titel: „Der Schatz der Sierra Mader“ trägt. Dieses Buch war 1931 in Berlin veröffentlicht worden und so besteht durchaus die Möglichkeit, dass Alexander Schmorell und Hans Scholl dieses Buch gelesen und als Vorbild für ihre Widerstandsgruppe genommen haben.

Die Wahl des Namens „Weiße Rose“ sollte offenbar die Reinheit und Unschuld im Angesicht des Bösen ausdrücken. Der Name ist eher ein poetisches und künstlerisches Symbol. Bei den Gestapoverhören sagte Hans Scholl später aus, dass der Name aus einem spanischen Roman über die Ausbeutung der Bauern von Mexiko des deutschen Autors B. Traven stammt und den Titel: „Der Schatz der Sierra Mader“ trägt. Dieses Buch war 1931 in Berlin veröffentlicht worden und so besteht durchaus die Möglichkeit, dass Alexander Schmorell und Hans Scholl dieses Buch gelesen und als Vorbild für ihre Widerstandsgruppe genommen haben.

 

Alexander Schmorell

Alexander Schmorell wurde am 16. September 1917 in Orenburg (Russland) geboren und am 19. April 1943 im zweiten Prozess gegen die „Weiße Rose“ vom Volksgerichtshof und dem faschistischen Richter Freisler zum Tode verurteilt.

Im Alter von nur 25 Jahren wurde er zusammen mit Kurt Huber im Gefängnis in München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet und auf dem Friedhof Perlacher Forst beigesetzt.

Ihren Mut und ihre Entschlossenheit, sich gegen die Nazi-Diktatur zur Wehr zu setzen, bezahlten die Mitglieder dieser Widerstandsgruppe mit ihrem Leben.

Vor seiner Hinrichtung am 13. Juli 1943 schrieb Alexander Schmorell an seine Eltern folgende Abschiedsworte:

Meine lieben – Vater und Mutter!

Nun hat es doch nicht anders sein sollen, und nun soll ich heute mein irdisches Leben abschließen, um in ein anderes einzugehen, das niemals enden wird und in dem wir uns alle wieder treffen werden.

Dies Wiedersehen sei euer Trost und eure Hoffnung. Für euch ist dieser Schlag leider schwerer als für mich, denn ich gehe hinüber in dem Bewusstsein, meiner tiefen Überzeugung und der Wahrheit gedient zu haben. Dies alles lässt mich mit ruhigem Gewissen der nahen Todesstunde entgegensehen. Denkt an die Millionen jungen Menschen, die draußen im Widerstand ihr Leben lassen, ihr Los ist auch das Meinige. In wenigen Stunden werde ich im besseren Leben sein, bei meiner geliebten Mutter und meinen Freunden, und ich werde Euch nicht vergessen, werde bei Gott und Trost und Ruhe für Euch bitten. Eins vor allem lege ich Euch ans Herz: Vergesst Gott nicht!

„Euer Schurik“

Kindheits- und Jugendzeit

Alexander Schmorell war hin- und hergerissen zwischen seiner deutschen und seiner russischen Herkunft. Sein deutscher Großvater war seinerzeit nach Russland ausgewandert, ohne die deutsche Nationalität aufzugeben. Alex‘ Vater, Hugo Schmorell, wurde in Russland geboren, fühlte sich aber immer als Deutscher. Denn er ging nach München und studierte dort Medizin, doch später ließ er sich in Russland nieder. Hugo Schmorell begann als Arzt an der Universitätsklinik von Moskau. Noch während seines Aufenthaltes in Moskau lernte er seine künftige russische Ehefrau Natalia kennen, die Tochter eines russisch-orthodoxen Klerikers.

Im Ersten Weltkrieg wurde Hugo Schmorell von Moskau aus an den Ural versetzt; dort führte er eine Krankenhaus für deutsche Zivil- und Kriegsgefangene. In der Russisch-Orthodoxen Kirche des Hll. Apostel Peter und Paul in Orenburg wurde sie getraut. Ein Jahr später wurde am 16. September 1917 ihr Sohn Alexander geboren und in derselben Kirche getauft.

Der Junge Alex war kaum zwei Jahre alt, als seine Mutter an Typhus starb. 1921, drei Jahre nach der Russischen Revolution, nahm Dr. Hugo Schmorell den letzten Zug, der deutsche Zivilisten und Kriegsgefangene aus Russland brachte, und fuhr nach Deutschland. Bei sich hatte er seinen vierjährigen Sohn Alexander und dessen altes russisches Kindermädchen. Der Vater heirate dort zum zweiten Mal, eine deutsche Frau, die auch in Russland aufgewachsen war, und sie bauten sich eine eigene Arztpraxis in München auf. Einige sagen, es sei die russische Kinderfrau gewesen, die nie richtig Deutsch lernte und ihrem „Schurik“ unablässig von seiner lieben Mutter, ihrer strahlenden Welt und die russischen Lieder und Geschichten erzählte, die Alexander das Heimweh und die Sehnsucht nach Russland weckte, nach den endlosen Steppen, den Birkenwäldern und den leuchtenden Ikonen, das er nie verlieren sollte.

Berichte über sein Leben in Deutschland erwecken den Eindruck, dass er ein glückliches Kind gewesen war und ein leichtes und angenehmes Leben führte. Aus der neuen Ehe des Vaters gingen seine beiden jüngeren Geschwister Erich und Natalja hervor, die eine enge Beziehung zur russischen und deutschen Sprache, der Literatur und der Russisch-Orthodoxen Religion gehabt haben. Die Kinder wuchsen zweisprachig auf. Vielleicht war Alex glücklich, aber er hatte doch auch immer Sehnsucht nach seinem zweiten weit entfernten Heimatland, Russland, an das er sich selbst nur durch Erzählungen erinnern konnte.

Alexander sprach fließend Russisch, und als er älter wurde, entwickelte er so etwas wie einen eigenen russischen Stil durch die Lektüre von Dostojewski, Gogol und dem romantischen Puschkin. Seine „russische Seele“ entfaltete sich hier im idyllischen Umfeld der russischen Kinderfrau und seiner deutschen Familie, die in einer schönen Villa in Harlaching, einem vornehmen Vorort Münchens, lebte. Er war ein begabter Junge, liebte Musik, besonders die tragischen und fröhlichen russischen Volkslieder ebenso wie die großen Klassiker — und spielte selbst Klavier und Balalaika. Er erlernte die Malerei und Bildhauerei, deshalb wollte er unbedingt Bildhauer werden, obwohl sein Vater von seinem Berufswunsch durchaus nicht begeistert war. Hugo Schmorell wollte gern, dass seine Söhne solide bürgerliche Berufe ergriffen, am besten, dass sie Ärzte würden. Alexander passte sich an, wenn auch erst widerwillig, und wurde dafür aber großzügig belohnt. So durfte er zum Beispiel seine Freizeit ausschließlich so gestalten, wie es ihm gefiel. Die Eltern finanzierten ihm seine Hobbies, wie die Beschäftigung mit der Kunst, die er so liebte, sowie das Reisen und verschiedene Sportarten, wie Reiten, Ski-laufen und Bergsteigen — alles Aktivitäten der privilegierten Jugend Münchens. Er wurde im Russisch-Orthodoxen Glauben erzogen, ein Zugeständnis an die Religion seiner verstorbenen Mutter.

Seit frühester Jugend kennzeichnete ihn eine seltsame Mischung aus Frohsinn, Humor und manchmal auch Melancholie. Alexander hatte immer Freunde, auch Freundinnen, und war ständig in den schöpferischen und darstellenden Künsten sowie in der oben genannten Sportarten aktiv.

Er war ständig in Bewegung. Er gehörte zur jugendlichen Elite Münchens, das ein herrlicher Ort zum Leben war, wenn man über Jugend, Bildung und Geld verfügte.

Doch „Schurik“ hatte noch andere Interessen: Er liebte es, allein in der Natur zu wandern oder durch die Stadt zu spazieren, verbrachte seine Zeit mit Hilfsarbeitern auf Bauernhöfen, plauderte mit Bäuerinnen, Zigeunern und Vagabunden.

Er war fasziniert von Landstreichern, den Außenseitern in einer so betont homogenen Bevölkerung oder „Volks-gemeinschaft“, wie es in Deutschland unter dem Nationalsozialismus gewesen war. Das Ausgestoßensein dieser Menschen wurde für ihn zum Ausdruck der Freiheit, einer Freiheit, die er in jedem russischen Buch, in jedem Gebet und in jedem russischen Lied fand.

Instinktiv verachtete er die Ideale und Grundsätze des Dritten Reiches zutiefst. Es war keine von der Vernunft gesteuerte Ablehnung, sie ging viel tiefer. Es war für Alexander auch keine Frage der Ethik und Gerechtigkeit; sondern die Vorstellung, in einer grauen, bis ins letzte reglementierten Welt leben und funktionieren zu müssen, in der Männer und Frauen in Uniform, im Gleichschritt marschierend, den Ton angeben, war für ihn unerträglich. Kurz vor der Machtergreifung der Nazis 1933 war auch Alexander Mitglied in der rechtsgerichteten Jugendgruppe „Scharnhorst“ gewesen, jedoch ohne Enthusiasmus, und als diese Vereinigung der Hitlerjugend angeschlossen wurde, ging er nicht mehr zu den Treffen. Alexander machte keine Erfahrung einer existentiellen Wende durch wie Hans Scholl nach dem Parteitag 1936, und sein Leben wurde nicht von rational gesteuerter Überzeugung, sondern von inneren Gefühlen bestimmt.

Man hat den Eindruck, dass Alexander ein wenig verwöhnt wurde, als ob Großzügigkeit und materielle Zuwendung väterliches Verständnis hätten ersetzen können. Er verkörperte Stil und Eleganz; in seinen Reithosen und -stiefeln, seinen Rollkragenpullovern und mit seiner Pfeife sah er wie ein englischer Gutsbesitzer aus.

Es gibt Hinweise, dass er manchmal mit Hilfe seines Vaters Geld und Einfluss aus einigen Schwierigkeiten herausgeholt werden musste. Einmal, als er als Sanitäter bei der Wehrmacht diente, wurde er geschnappt, als er Zivilkleidung statt der verhassten Uniform trug. Seinem Vater und seinem Onkel, die Beziehungen zu höchsten Stellen hatten, gelang es dann gerade noch, ihm die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Alexander Schmorell hatte Hans Scholl im Herbst 1940 an der Münchner Universität kennengelernt, als bereits die Anfänge von Hitlers Eroberungszüge Europas begangen und sie diese hautnah miterlebten. Nach dem obligatorischen Arbeitsdienst, während dessen er beim Autobahnbau mithalf, war er als Sanitäter bei den deutschen Einheiten eingesetzt worden, die Österreich „heim ins Reich“ holten. Auch bei den Feldzügen gegen die Tschechoslowakei 1938 und gegen Frankreich 1940 war er dabei gewesen, ebenso wie Hans Scholl, doch damals hatten sie sich nicht getroffen.

Zu Beginn seiner Karriere in der Armee machte Alexander Schmorell eine ernste emotionale Krise durch. Er sollte einen Waffeneid und gleichzeitig einen Gehorsamseid auf die Person Adolf Hitlers leisten. Das konnte er nicht tun, und er brach fast völlig zusammen. Schließlich ging er zu seinem zuständigen Offizier, erzählte ihm, dass es ihn unmöglich sein, den Eid zu leisten, und — so unglaublich sich das auch anhört — fragte ihn, ob er ihn nicht aus dem Militärdienst entlassen könnte. Sein Gesuch wurde abgelehnt, aber erstaunlicherweise erhielt er keine Strafe. In der Tat gab es in den Sanitätsbataillonen mehr Gleichgesinnte, die nicht vom Nationalsozialismus überzeugt waren, als in anderen militärischen Einheiten, was vielleicht einer der Gründe war, dass sich die eventuellen Verschwörer dort leichter finden konnten. Nachdem er es offen abgelehnt hatte, den Eid zu leisten, ging es Alexander besser. Obwohl er seinen Militärdienst trotzdem leisten musste, fühlte er sich an den Eid nicht gebunden. Später, als der Krieg gegen Russland begann, schwor er seinen Freunden, dass er niemals, so lange er lebe, einen Russen erschießen werde. Glücklicherweise wurde er an der Front nie mit dieser Entscheidung konfrontiert.

Im Herbst 1940 war er wieder in München und bereitete sich auf sein Physikum vor. Nun konnte er wieder zu Hause leben, Unterricht in Bildhauerei nehmen und Konzerte besuchen. In dieser Zeit begegnete er Hans Scholl; sie waren demselben Sanitätsbataillon zugewiesen worden. Übereinstimmend in ihren Ansichten und Vorlieben, fühlten sie sich schnell zu einander hingezogen. Beide verabscheuten das Militär und die Nazis, und ihre Persönlichkeiten, so verschieden sie auch waren, ergänzten sie sich sehr gut: der Mann mit dem Mantel und der Vagabund, beide waren auf der Durchreise, in einer Zeit, die sie als absurd und barbarisch empfanden.

Zusammen lernten sie fürs Examen, das sie beide bestanden, und allmählich wurde Hans häufiger Gast in der Familie Schmorell, wo er auch an den „Leseabenden“ teilnahm, die Alexander von Zeit zu Zeit in der Villa veranstaltete. Durch Alexander traf Hans zwei weitere spätere Mitglieder der Weißen Rose. An einem der Leseabende im Hause Schmorell machte Schurik Hans mit Christoph Probst — genannt Christel — einem alten Freund vom Gymnasium in München, bekannt; und er brachte Hans auch mit Traute Lafrenz zusammen. Alexander hatte sie während seiner kurzen Studienzeit in Hamburg kennengelernt. Bei einer Aufführung der Brandenburgischen Konzerte in München hatte er sie fast umgerannt.

Im Frühjahr 1942 hatten sich diese Freundschaften sehr gefestigt. Hans und Traute hatten eine leidenschaftliche Liebesbeziehung miteinander, die beiden so sehr an die Substanz ging, dass Hans sie schließlich beendete. Ein Jahr zuvor waren deutsche Truppen in Russland einmarschiert, die Luftangriffe auf deutsche Städte nahmen zu, und das Leben in den Städten war düster und entmutigend geworden. An diesem Punkt entschieden Alexander, Hans und „Christel“, dass die Zeit reif war zu handeln.

In den Monaten Juni und Juli 1942 verbreitete die „Weiße Rose“ ihre ersten vier Flugblätter, von denen jedes etwa hundert Mal kopiert worden war, indem sie diese an ausgesuchte, meist Münchner Adressen schickten. Gegenüber den gebildeten Adressaten führten die jungen Studenten die gesamte Weltkultur, die von den Nationalsozialisten verleugnet wurde, gegen diese ins Feld und riefen zum passiven Widerstand gegen den Krieg auf. Wie aus den Flugblättern hervorgeht, protestierten sie am meisten gegen die Unterdrückung der Freiheit, die Behandlung der Juden, die Primitivität der Personen, die im Zuge der NS-Herrschaft in bedeutende Positionen gelangt waren, sowie über die Kriegsführung. Die Studenten waren durch christliche und liberale Elternhäuser sowie die Jugendbewegungen der Weimarer Republik geprägt.

Die Studenten erfuhren Einzelheiten des barbarischen Euthanasieprogramm der Nazis von einer Diakonisse. Diese arbeitete in einem nahe gelegenen Heim in München für geistig behinderte Kinder. Verzweifelt berichtet sie, was in diesem Heim vor sich ging. Eines Tages war die SS mit einem Konvoi von LKWs vorgefahren, war ins Haus gestürmt und hatte die Kinder nach draußen gezerrt und in die offenen Lastwagen gestoßen. Die Schwestern hatten zunächst fassungslos dabeigestanden, dann hatten sie begonnen, an das Mitleid der schwarzgekleiderten Männer zu appellieren. Die Kinder fragten die Schwestern, wohin sie denn gingen. Und die Oberin sagte in ihrer Verzweiflung: „Ihr geht in den Himmel.“ Da lachten die Kinder und freuten sich und winkten, als die Lastwagen sie abtransportierten. Sie neckten sich unter einander mit den Worten: „Wenn Du nicht artig bist, kommst Du in den Backofen!“.

Zahlreiche Bischöfe schrieben aufgebrachte Briefe, in denen sie gegen diese Barbarbrei protestierten. Der katholische Bischof der Stadt Münster, Kardinal von Gallen, konnte diese Verbrechen nicht länger ertragen. Er war schon seit geraumer Zeit ein Kritiker der Nazis und hatte sich gegen ihre Rassenpolitik gewandt. Seine und weitere Predigten der protestierenden Geistlichen wurden abgeschrieben und vervielfältigt. Das Euthanasieprogramm wurden offiziell aufgrund des Protestes gestoppt. Goebbels versprach seinen Naziparteifreunden jedoch, den Bischof zu hängen, sobald der Endsieg erkämpft sei. Diese Flugblätter zirkulierten bald in ganz Deutschland und erreichten auch die Studenten der Weißen Rose.

Das Auftauchen der ersten Flugblätter der Weißen Rose zeigt, dass Hans und Alexander begonnen hatten zu handeln, vermutlich nach Absprache mit „Christel“ Probst. Mit dem Geld und einem Teil der finanziellen Unterstützung, die Alexander von seinem Vater bekam, kauften sie in einem kleinen, abgelegenen Laden ein gebrauchte Kopiermaschine zu einem unverschämten Preis. Außerdem besorgte Alexander eine Schreibmaschine, Spezialpapier, Schreibzeug, Matrizen und Briefmarken — alles in unverdächtigen Mengen. Ein Bekannter, ein Architekt namens Manfred Eickemeyer, gewährte ihnen Zutritt zu seinem Studio in Schwabing und überließ ihnen seinen Keller zum Kopieren und als Lager. So war alles bereit für die Herstellung der Flugblätter der Weißen Rose.

Gegen Ende November 1942 reiste Alexander Schmorell durch Vermittlung der Freundin Lilo Ramdohr zusammen mit Hans Scholl zu Falk Harnack nach Chemnitz, um Verbindung mit Widerstandskreisen in Berlin aufzunehmen. Im Dezember 1942 suchte er mit Hans Scholl den Kontakt zu Kurt Huber zu knüpfen. Gemeinsam verfassten sie im Januar 1943 das fünfte Flugblatt „Aufruf an alle Deutschen!“, das Alexander Schmorell dann in österreichischen Städten verteilte.

Im nächsten Monat folgte nach einigen nächtlichen Wandbeschriftungen mit Anti-Hitler-Parolen das sechste und letzte Flugblatt:

Kommilitoninnen! Kommilitonen!

Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat. Im Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.

In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ, SA und SS haben uns in den furchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu Uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren versucht. „Weltanschauliche Schulung“ hieß die verächtliche Methode, das aufkeimende Selbstdenken und Selbstwerten in einem Nebel leerer Phrasen zu ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und zugleich bornierter nicht gedacht werden kann, zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensburgen zu gottlosen, schamlosen und gewissenlosen Ausbeutern und Mordbuben heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. (…)

Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS- Unter- und Oberführer und Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drehmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewussten Staatswesen.

Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen Deutsche Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, das haben sie ihn zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen Substanz im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten Deutschen hat das furchtbare Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz Europa angerichtet haben und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zuerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet. (…)

Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.

(Zitiert nach: Inge Scholl: Die Weiße Rose. Frankfurt, 1982, S.96–121)

Als sie die letzten Exemplare dieses Flugblattes im Lichthof der Münchner Universität auslegten, wurden die Mitglieder der Weißen Rose, die Geschwister Hans und Sophie Scholl vom Hausmeister entdeckt und der Gestapo ausgeliefert.

Sie wurden verhaftet, zusammen mit Christoph Probst beim Volksgerichtshof angeklagt und vom Nazi-Richter Freisler am 22. Februar 1943 wegen Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt.

Auf die Frage des Richters, ob sie ihr Verhalten bedauerten, antwortete Sophie gefasst:

„Ich würde alles genau noch einmal so machen, denn nicht ich, sondern Sie haben die falsche Weltanschauung.“

Die Hinrichtung erfolgte noch am selben Tag. Die Tür zum Hof öffnete sich. Am Ende des Weges lag ein kleines Gebäude mit der Guillotine. Sophie war die Erste. Sie ging aufrecht über den Hof, begleitet von den Wachen. Sie betrat das Gebäude. Es war fünf Uhr am Nachmittag, drei Stunden nach Beendigung der Verhandlung. Es gab einen schweren Schlag. Dann war es zu Ende.

Als Hans an der Reihe war, ging er schnell über den Hof, bevor er jedoch über die Türschwelle schritt, drehte er sich um und rief, so dass seine Stimme alle vergitterten Fenster rundherum erreichte: „Es lebe die Freiheit!“

 

Das Wetter blieb den ganzen Februar hindurch mild in München; es trug die ersten Anzeichen von Frühling. Doch in den Alpenregionen im Süden zogen schwere Stürme auf. Alexander Schmorell hatte keine Wahl mehr. Nach der Verhaftung und Hinrichtung von Christoph Probst, Hans und Sophie Scholl versuchte Alexander mit Unterstützung verschiedener Bekannter und mit einem gefälschten Pass über Schloß Elmau in die Schweiz zu fliehen. Er hatte weder Stiefel noch angemessene Kleidung; und sein Proviant ging bald aus. Vor ihm lang eine riesige weiße Wand. Er wanderte einige Stunden so weiter, dann sah er ein, dass es keinen Zweck hatte. Er kehrte um, er sah keinen anderen Weg. So kehrte er nach München zurück.

Am Abend der Münchner Rede Hitlers, am 24. Februar 1943, zwei Tage nach den Hinrichtungen startete die Royal Air Force einen schweren Bombenangriff auf die Innenstadt Münchens. Eine junge Frau namens Marie-Luise saß zusammengekauert mit anderen Frauen in einem Bunker in der Nähe ihres Mietshauses. Sie war hochschwanger, und wie viele der anderen Frauen im Bunker hatte sie große Angst. Plötzlich öffnete sich die Bunkertür, und Alexander Schmorell kam herein. Er war erschöpft und atemlos, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Er rief: „Marie-Lusie!“. Er war einmal mit ihr befreundet gewesen, und sie war der einzige Mensch in München, der nicht auf irgendeine Weise mit seinen Aktivitäten in Verbindung stand. Der Angriff der Bomber hatt in dem Moment begonnen als er auf dem Hauptbahnhof angekommen war. Da war er zu Marie-Luises Wohnung am Habsburgerplatz gelaufen. Im Bunker rief die jungen Frau: „Schurik!“ Ihre Nachbarn starrten ihn voller Angst an. „Marie-Luise“, sagte er mit schwacher Stimme, „bitte komm für einen Moment mit hinaus, ich muss mit die reden.“ Er stand noch immer in dem kleinen Vorraum des Bunkers. Sie rührte sich nicht, saß wie angewurzelt auf ihrem Platz. Sie antwortete ihm nicht. Statt dessen wandte sie sich ihren Nachbarinnen zu und flüsterte irgend etwas. Alex sank auf eine Bank und wartete. Die Nachbarinnen flüsterten immer erregter miteinander. Sie sagten zu Marie-Luise, es geben nur einen Weg, um sich selbst zu schützen: den Blockwart zu rufen und ihm Alexander Schmorell auszuliefern. Er konnte sich nicht mehr bewegen. Seit sieben Tagen und Nächten war er nun wie ein gehetztes Tier um seine Freiheit und seine Leben gelaufen. Er hatte alles gegeben; nun konnte er nicht mehr.

Als die Entwarnung für den Luftschutzkeller erfolgte, riefen die Frauen den Blockwart, der Alexander erklärte, er sei festgenommen. Er wurde durch die Frauen denunziert und durch die Gestapo verhaftet und ins Gestapo-Gefängnis gebracht. Es ist nicht bekannt, ob jemand die Belohnung von 1000 Reichsmark erhalten hat.

„Wachen in der Morgenfrühe“

Du sitzt im Bett, hörst in die Nacht, wie viele solcher Nächte hast Du gewartet,

Hast ins Ungewisse hinein gefragt: Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Wie sie Morgen für Morgen die geholt haben, die deine Freunde waren.

Der Morgen graut, du siehst dein Zimmer, Du siehst das Licht vor den Gardinen,

Du weißt, Deine Mutter nebenan ist wach, wie Du und fragt wie Du,

Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Still ist die Straße, die Lampe bleich, von fern die Uhren schlagen.

Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Die Nachbarn schlafen. Die werden sich nicht rühren, wenn sie kommen und Dich holen.

Die Stille schreit, wird unerträglich. Wann endlich holt ihr mich und sie?

Ein Auto hält, Schritte im Hof, es pocht, Lärm auf den Stufen. Nun sind sie da.“

(Gedicht von Eugen Nerdinger – Widerstandskämpfer und Sozialdemokrat)

„Wachen in der Morgenfrühe“

Du sitzt im Bett, hörst in die Nacht, wie viele solcher Nächte hast Du gewartet,

Hast ins Ungewisse hinein gefragt: Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Wie sie Morgen für Morgen die geholt haben, die deine Freunde waren.

Der Morgen graut, du siehst dein Zimmer, Du siehst das Licht vor den Gardinen,

Du weißt, Deine Mutter nebenan ist wach, wie Du und fragt wie Du,

Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Still ist die Straße, die Lampe bleich, von fern die Uhren schlagen.

Werden sie heute kommen, mich zu holen?

Die Nachbarn schlafen. Die werden sich nicht rühren, wenn sie kommen und Dich holen.

Die Stille schreit, wird unerträglich. Wann endlich holt ihr mich und sie?

Ein Auto hält, Schritte im Hof, es pocht, Lärm auf den Stufen. Nun sind sie da.“

 

(Gedicht von Eugen Nerdinger – Widerstandskämpfer und Sozialdemokrat)

 

Seinen Eltern schrieb Alexander Schmorell: „Dieses ganze harte Unglück war notwendig, um mich auf den wahren Weg zu bringen — und deshalb war es eigentlich gar kein Unglück …

Was wusste ich bisher vom wahren, tiefen Glauben, von der Wahrheit, der letzten und einzigen, von Gott?

Sein Verteidiger, Siegfried Diesinger, vergaß Alexander — im Gegensatz zu so vielen Anwälten — auch nach dem Prozess nicht. Er besuchte ihn in seiner Zelle, so oft er konnte, und sein Respekt für den jungen Mann wuchs mit jedem Treffen. Als er zum ersten Mal kam, war er aufgeregt und nervös bei dem Gedanken, diesem jungen Mann auf der Schwelle eines schrecklichen Todes gegenübertreten zu müssen, doch Alexander‘ Gelassenheit beruhigte ihn. Von diesem Gefangenen strömte ein innerer Friede aus, der ihn zu tiefst berührte. Alexander trug dem Anwalt auf, seinen Vater zu informieren, „dass ich Marie-Luise alles vergebe“, die ihn dem Luftschutzkeller abgewiesen und verraten hatte.

Es war kein Groll, keine Wut, kein Hass in Alexander Schmorell.

Der Prozess gegen Alexander Schmorell, Peter Graf und dem Professor Kurt Huber wurde am 25. April 1943 geführt. Die Gnadengesuche fanden ihren Weg zu den höchsten Nazi-Stellen. Der Mai ging in den Juni über, und schließlich kam die Antwort: „Ich lehne alle Gnadengesuche ab.“ Sie war von Hitler selbst unterzeichnet.

Am 13. Juli 1943 war das Datum für die Hinrichtungen von Alexander Schmorell und Kurt Huber. An jenem Tag wurde Alexander erlaubt, seinen Eltern den oben genannten Abschiedsbrief zu schreiben und an jenem Nachmittag kam der Anwalt zu Alexander, um ihn in seiner letzten Stunde beizustehen. Doch Alexander war ruhig und zuversichtlich. Er sagte, er haben den Tod nicht nur akzeptiert, sondern heiße ihn sogar willkommen. Selbst wenn jetzt jemand, wie z. B. der Wärter an seiner Stelle sterben wolle, würde er es ablehnen.

„Denn ich bin jetzt überzeugt“, sagte Alexander Schmorell dem bestürzten Anwalt, „dass mein Leben, so früh es auch erscheinen mag, in dieser Stunde beendet sein muss, da ich durch meine Tat meine Lebensaufgabe erfüllt habe. Ich wüsste nicht, was ich noch auf dieser Welt zu tun hätte, auch wenn man mich jetzt entlassen würde.“

 

Die Hinrichtung von Alexander Schmorell zusammen mit Kurt Huber wurde auf den 13. Juli 1943, 17 Uhr, angesetzt. Alexander Schmorell sollte der erste sein. Doch als sich die beiden Männer auf das Ende vorbereitet hatten, wurde ihnen mitgeteilt, dass sich eine unerwartete Verspätung ergeben habe. Einige SS-Offiziere waren nach Stadelheim gekommen und informierten das Personal, dass sie bei den Hinrichtungen dabei zusein hätten. Sie seien beauftragt worden, die Prozedur zu beaufsichtigen und festzustellen, wie lange es dauere, bis die einzelnen Delinquenten tot seien. Als ihnen mitgeteilt wurde, dass die Hinrichtungen nicht durch den Strang, sondern durch das Schafott erfolgen würden, waren sie zornig und aufgebracht. Damit ihre Empörung nicht völlig vergebens war, verlangten sie eine detaillierte Erklärung, wie der Mechanismus funktionierte. Endlich gingen die SS-Offiziere. Alexander Schmorell ging mit hoch erhobenenm Kopf über den Hof zu dem kleinen Gebäude, wo die Hinrichtung durch den Scharfrichter mit dem Feilbeil durchgeführt wurde. Ein paar Minuten später erschien Professor Kurt Huber und ging ebenfalls über den Hof. Sein Bein zog er wie immer leicht nach. Der Kaplan, der diesen quälenden Todesgang beider beobachtete, war fassungslos und bekreuzigte sich. Es gab einen zweiten dumpfen Schlag, dann war es ganz still.

Alexander Schmorell wurde auf dem Münchner Friedhof am Perlacher Forst im Grab Nr. 76–1–26 beigesetzt.

Weitere Mitglieder der Gruppe wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das sechste Flugblatt wurde nichtsdestoweniger von der britischen Luftwaffe in riesiger Auflage über ganz Deutschland unter dem Titel: „Ein deutsches Flugblatt — Manifest der Münchner Studenten“ abgeworfen.

Der Hamburger Zweig der Weißen Rose verteilte das letzte Flugblatt mit dem Zusatz:

„Ihr Geist lebt weiter!“.

Diese Botschaft bleibt nicht ungehört. Thomas Mann, der seit 1938 im Exil in den USA lebt, wendet sich in einer seiner BBC-Radiosendungen an die Deutschen und würdigt die Weiße Rose mit den Worten:

„Ihr sollt nicht umsonst gestorben sein, sollt nicht vergessen sein! Die Nazis haben schmutzigen Rowdies, gemeinen Killern in Deutschland Denkmäler gesetzt — die deutsche Revolution, die wirkliche, wird sie niederreißen und an ihrer Stelle eure Namen verewigen, die ihr, als noch Nacht über Deutschland und Europa lag, wusstet und verkündetet: „Es dämmert ein neuer Glaube an Freiheit und Ehre!“.

Kloster zum „Heiligen Georg“ in Götschendorf

Namensweihe nach „Heiliger Alexander Schmorell“

Am 15. Oktober 2016 fand im Russisch Orthodoxen Kloster zum „Heiligen Georg“ in Götschendorf, die Namensweihe und Segnung des Vereins für Völkerfreundschaft statt. Fortan tragen wir den Namen „Heiliger Alexander Schmorell“, eines der Mitglieder der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“.

An diesem Tag empfing uns der Prior des Russisch-Orthodoxen Klosters Vater Daniil Irbits. Es war ein lebenswichtiges Ereignis, denn an diesem Tage wurde die erste Taufe von „Anna“ Sophia Bock in diesem Kloster zum „Heiligen Georg“ in Götschendorf durchgeführt.

Es symbolisiert für uns die Einigkeit und Verbundenheit zwischen den deutschen, russischen und weltweiten Freunden und dem Widerstand im Namen der „Weißen Rose“ gegen menschenverachtende Gesellschaftsformen und Ungerechtigkeiten weiter fortzuführen.

Ein großes Dankeschön für die Arbeit im humanitären Bereich und der Spendenverteilung durch die Mitglieder des Vereins für Völkerfreundschaft.

Diese Ikone vom „Heiligen Alexander Schmorell“ ist in der Russisch-Orthodoxen Kirche in Berlin-Wilmersdorf geweiht worden und dort zu betrachten.

“Ihr Geist lebt weiter!”

Die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei,
Wer kann sie erraten,
Sie ziehen vorbei,
Wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger erschießen,
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!
Ich denke was ich will,
Und was mich beglücket,
Doch alles in der Still’,
Und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
Kann niemand verwehren,
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!
Und sperrt man mich ein

In finsteren Kerker,
Das alles sind rein
Vergebliche Werke;
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei!
Drum will ich auf immer
Den Sorgen entsagen,
Und will mich auch nimmer
Mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
Stets lachen und scherzen
Und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!
Die Gedanken sind frei!

Die ersten Verse des Liedes eines anonymen Dichters der deutschen Revolution von 1848.

Quelle: „Die Geschichte der Weißen Rose“ Dumbach/Newborn

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