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“Relativ frei” — ein Dokumentarfilm über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Barrett Brown

“Wenn sich die Dinge verschlechtern, weil sich das System selbst zerstört, wie es jetzt gerade und so offensichtlich geschieht, und besonders auf diese widerliche Art und Weise, scheinen meine eignen Ideen, viel weniger verrückt zu sein”, sagt Barrett Brown in dem Dokumentarfilm „Relativ frei“.

Der US-amerikanische Journalist Barrett Brown raucht die erste Zigarette in Freiheit, nach dem er im Sommer 2012 eingesperrt wurde.

Der neue Dokumentarfilm „Relativ frei” (Relatively Free) des Schauspielers, Regisseurs und Internetkriminalisten Alex Winter bietet einen Blick auf Barrett Browns erste Momente der Freiheit. Seit dem Sommer 2012 war der international bekannte und preisgekrönte Journalist im Gefängnis eingesperrt gewesen.

Im vergangenen Januar wurde Barrett Brown zu einer 63-monatigen Gefängnisstrafe wegen der Übersendung eines Video des privaten Geheimdienstunternehmens Stratfor sowie wegen der Hinderung einer Ausführung eines Durchsuchungsbefehls und der Verweigerung der Beschlagnahmung seiner Laptops verurteilt.

Vergangenheit & Gegenwart

Ende letzten Monats wurde der 35-Jährige aus der US-amerikanischen Bundesjustizvollzugsanstalt „Three Rivers“ in San Antonio in Texas entlassen und in ein Übergangshaus für Bewährungsstrafen verbracht, welches sich ca. zwanzig Minuten von der Innenstadt von Dallas befindet. Er teilt sich ein Zimmer mit acht Ex-Sträflingen. Um ein ruhiges Plätzchen für ein Telefon-Interview zu finden, muss er sich schon in die Dusche verziehen. Aber seit dem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, versucht er seine journalistische Arbeit fortzusetzen und hat mit dem Filmemacher Alex Winter einen Dokumentarfilm über seinen Fall vereinbart.

In diesem ersten Trailer „Relativ frei“ des Regisseurs Alex Winter und der Produktionsfirma “Field of Vision” sind die ersten Minuten der Haftentlassung von Barrett Brown und seine Reise nach Dallas zu sehen.

Field of Vision – Relatively Free from Field Of Vision on Vimeo.

Der ehemaligen Anonymous- Agitator Barrett Brown berichtete im letzten Jahr über seine eigene Haftstrafe und ließ eine Serie von preisgekrönten Aufsätzen im „D Magazine“ und „the Intercept“ veröffentlichen.

“Ich habe seinen Fall sehr genau verfolgt, da sie (FBI und Justiz) versucht haben, ihm die Höchststrafe zu verhängen — ähnlich wie bei Aaron Swartz”, erzählte Regisseur Alex Winter. Aron Swartz war ein Software-Entwickler und der Mitbegründer und Aktivist von Reddit. Er nahm sich sein eigenes Leben im Januar 2013, da die US-Bundesstaatsanwaltschaft ihn zum Herunterladen von Millionen von akademischen Zeitschriften anklagen wollten. “Barrett Brown hat eine Menge dazu zu sagen. Und es ist sehr mutig von ihm, dies aus seinen Geschichten zu erfahren.”

Barrett Brown wurde im September 2012 verhaftet, nachdem er ein Video auf YouTube verschickt hatte, in dem er drohte, das Leben eines FBI-Agenten zu “ruinieren”, und den Brown persönlich blamierte als er eine Razzia im Haus seiner Mutter ausführte. Als er im Haus vom FBI verhaftet wurde, war er zufällig in einem öffentlichen Videochat mit seinen Fans von Anonymous, die die Momente der Festnahme „akustisch“ aufzeichneten.

Die Hacker-Gruppe von Anonymous ist eine starke Online-Kraft, mit der man rechnen muss. Nur neun Monate vor dem Sommer 2012 hatte die Gruppe das private Geheimdienstunternehmen STRATFOR und fast 5 Millionen seiner E-Mails gehackt, wofür Barrett Brown später zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Wichtige Dokumente und Artikel von Barrett Brownwurden bei der Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht und von Julian Assange kommentiert.

Im Sommer 2012 hatte das FBI zwei Hausdurchsuchungen durchgeführt, bei der sie versuchten, Browns Computer zu beschlagnahmen. Seine Mutter verhinderte den Durchsuchungsfehl und verbarg zuvor ein paar Laptops in einem Kühlschrank. Später wurde sie deswegen zu sechs Monaten Bewährung verurteilt. Für seine Arbeit als Journalist versuchte Barrett Brown die Rechner, das Zubehör und die Dokumente mit höchst brisanten, investigativen Fakten vor dem FBI zu beschützen. Die letztere Aufzeichnungen stammten aus Browns Verbindung zu den Hacktivisten von Anonymous, die Stratfors kriminelle Energie im letzten Jahrzehnt entlarvten und das Geheimdienstunternehmen fast eingehen ließen.

Zukunft

In den nächsten sechs Monaten kündigte Brown an, ein neues Softwareprogramm zur Verschlüsselung von Dokumenten für Journalisten und Aktivisten zu entwickeln, die zum Schutz der Quellen und zur Bearbeitung journalistischer Dokumente geeignet sein soll. So fordern es auch Anonymous und die Internetplattform WikiLeaks https://wikileaks.org, die journalistische Fakten von Brown erhielten, und weil Jouranlisten stets ihre Quellen schützen.

„Es ist wie der Protestant der gegen das katholische System agiert. Wir wollen eine Direktleitung zur Bürgerbeteiligung.“

Barrett Brown hat auch ein Team von Programmierern hinzugezogen, die freiwillig ihre Dienste zur Entwicklung der Verschlüsselungssoftware anbieten.

Im Trailer des Dokumentarfilms ist einerseits ein sehr aufgeweckter und hochmotivierter investigativer Jouranlist Barrett Brown zu erkennen, der neue Ideen umsetzen möchte und andererseits sind auch die Nachwirkungen der Haftzeit und die Isolationshaft, die er durchlitten hat, unübersehbar. Denn es tat mir sehr leid, mit ansehen zu müssen, dass er während der Autofahrt nach Dallas sich erbrechen musste. Ich glaube, ein bisschen mehr Privatsphäre muss Barrett Brown auch erlaubt sein. Ich freue mich schon auf seine neuen Kolumnen.

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