Völkerfreundschaft e.V.
Nachrichten

Die DEFA feierte ihren 70. Geburtstag

Beliebte Filme aus der siebzigjährigen Traumfabrik des Ostens waren der DEFA-Film „Spur der Steine“ (1966) mit Manfred Krug, der allerdings wegen seiner kritischen Betrachtung von der SED verboten wurde. Die zahlreichen Indianerfilme, wie „Die Söhne der Großen Bärin“ (1966) mit Gojko Mitić oder auch der Liebesfilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) mit Angelika Domröse und Winfried Glatzeder waren der „Kassenschlager“ mit mehreren Millionen Zuschauern.
Die Deutsche Film AG (DEFA), die im Mai vor 70 Jahren gegründet wurde, schuf etwa 700 Filme, 750 Animationsstreifen und über 2200 Dokumentar- und Kurzfilme. Dazu feierten viele Stars und Zuschauer ihren Geburtstag.

Die DEFA war die Traumfabrik im Osten Deutschlands, die am 17. Mai 1946 als erste deutsche Filmfirma nach dem Zweiten Weltkrieg in Babelsberg gegründet wurde. Auch wenn es die Traumfabrik des Ostens leider nicht mehr gibt, sorgt ihre Stiftung dafür, dass die Filme beim Publikum in Ost und West beliebt bleiben. Kein Wunder, dass das DEFA-Jubiläum Anfang Mai im Kino Babylon groß gefeiert wurde. Viele Stars waren dabei. Winfried Glatzeder „Die Legende von Paul und Paula“, Barbara Schnitzler „Alle meine Mädchen“, Matthias Freihof „Coming out“, die Regisseure Peter Kahane „Ete und Ali“ und Winfried Junge „Die Kinder von Golzow“ und Annekathrin Bürger, deren Film „Hostess“ der Höhepunkt der Geburtstagsparty gewesen ist.

Viele der Stars, die kamen, steckten gerade in den Kinderschuhen, als 1946 die Geburtsstunde für die DEFA schlug. In dem Althoff-Atelier wurde die Gründungsurkunde zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht und den neuen Filmleuten unterschrieben. In dem Studio, in dem 1941 Ufa-Stars wie Gustav Fröhlich und Käthe Haack für den NS-Propaganda-Film „Sechs Tage Heimaturlaub“ vor der Kamera standen. Mit der Nazi-Vergangenheit räumte der erste DEFA-Film „Die Mörder sind unter uns“ auf. Mit dem Dreh im zerbombten Berlin wurde Regisseur Wolfgang Staudte beauftragt. Die Hauptrolle spielte die damals noch unbekannte Hildegard Knef, die später nicht nur ein Star in Berlin wurde. „Nackt unter Wölfen“ ist einer der antifaschistischen Spielfilme von Regisseur Frank Beyer aus dem Jahr 1963 gewesen, der weltweit bekannt geworden ist.

Mit der Gründung der DDR ging die DEFA schrittweise in den Besitz der SED-Staatsführung über. Im Parteiauftrag sollten Filme entstehen, die die Menschen zu sozialistischen Bürgern erziehen sollten. Zum Glück hielten sich die Filmemacher nicht immer daran. Die über 700 Filme in 45 Jahren unterlagen auch einer Zensur.

Zu den ersten Kultfilmen gehörte das Antikriegs-Drama „Ich war neunzehn“ mit Jaecki Schwarz (1968). Gefeiert wurde auch „Spur der Steine“ (1966) mit Manfred Krug, der allerdings wegen seiner kritischen Betrachtung des DDR-Alltags verboten wurde. Es ist Ironie der Geschichte, dass Erik Neutsch und Frank Beyer einerseits die Kritik am Aufbau des Sozialismus übten, allerdings die Richtigkeit des von der SED eingeschlagenen Weges bezweifelten. Beide waren bis zu ihrem Tod überzeugte Anhänger des Sozialismus. Sie hatten lediglich diese zwei realistischen Kunstwerke geschaffen, um auf die SED-Parteioberen der DDR auf die Mängel aufmerksam zumachen.

Im Giftschrank der Zensoren landeten auch Filme wie „Das Kaninchen bin ich“ (1965) oder „Insel der Schwäne (1983). Einige schafften es zu DDR-Zeiten noch nicht einmal ins Kino, wie der letzte DEFA-Schwarzweißfilm „Die Taube auf dem Dach“. Bei den beliebtesten Märchenfilmen gehörte der Kinofilm „Das kalte Herz“ zu den Klassikern, der zugleich auch der erste Farbfilm gewesen ist. Vier Millionen DDR-Mark kostete der Dreh.

Am Beliebtes für die Kinder und Jugendlichen waren die Indianer-Filme der DEFA mit ihrem Star „Gojko Mitić“, der die Hauptrolle in den Filmen wie „Die Söhne der Großen Bärin“ (1966), „Chingachgook — die große Schlange“ (1967), „Apachen“ (1973), Ulzana (1974) und „Blutsbrüder“ (1975) spielte. Viele Menschen teilen diese Leidenschaft für diese Indianerfilme bis heute und zeigen ihre Unterstützung und Solidarität gegenüber der Unterdrückung der Ureinwohner Nordamerikas.

Der Fernsehsender Arte eröffnet im Mai seine Filmreihe mit dem ersten DEFA-Film nach dem Zweiten Weltkrieg „Die Mörder sind unter uns“ (1946). Es wird auch der Film von Frank Beyers „Jakob der Lügner“ gezeigt, der nach dem gleichnamigen, stark autobiografischen Roman von Jurek Becker entstanden ist, und der einzige DEFA-Film gewesen ist, der für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde.

Kommentar hinterlassen

Zur Werkzeugleiste springen